Kahl braucht besseren ÖPNV

Ein Kommentar von Prof. Dr. Thomas Jäger

Thomas Jäger

Es könnte so viel einfacher sein, nachts von Aschaffenburg nach Kahl zu kommen. Aber der Gemeinderat will das nicht.

Wenn es abends mal ein wenig später wird, können die Bürger Karlsteins von Aschaffenburg aus mit dem Taxi nach Hause fahren. Und weil die öffentlichen Busse dann nicht mehr fahren, zahlen sie nur den Preis für die Busfahrt. Das Konzept der AST-Taxis ist in Deutschland weit verbreitet. Große und kleine Städte haben es gleichermaßen umgesetzt. Aber in einem Ort denken die politisch Verantwortlichen, dass man so etwas Modernes nicht braucht. In Kahl.

Der Gemeinderat hat darüber diskutiert, als die Karlsteiner sich dazu entschlossen hatten. Wahrscheinlich dachten sie, aus Kahl geht sowieso niemand abends nach Aschaffenburg. Ganz besonders am Wochenende nicht! Und freut sich an einem kühlen Schlappeseppel oder einem trockenen Riesling. Dann nicht mehr Auto zu fahren ist sinnvoll. Aber was, wenn die Busse und Züge nicht mehr fahren. Wer mit dem Zug noch nach Kahl kommen will, muss um sich um halb zwölf aus der fröhlichen Runde verabschieden. Oder bis halb fünf warten. Mit dem Bus sieht es nicht anders aus: Die 50 fährt eine halbe Stunde später aus Aschaffenburg los aber zwischen 00:30 und 5:00 Uhr fahren die Öffentlichen nicht.

Genau in dieser Zeit fährt das AST-Taxi, quasi als Ersatz für den öffentlichen Nahverkehr. Der Name AST-Taxi steht für Anruf-Sammel-Taxi und man wird für den Preis des Busses dann gefahren, wenn kein Bus mehr fährt. Und zwar bis vor die Haustür. Die Differenz des Fahrpreises zahlt die Gemeinde und sorgt auf diese Weise dafür, dass ihre Bürger sicher ankommen.

Übrigens zeigt die Erfahrung, dass es gar nicht mal vornehmlich junge Menschen sind, die das AST-Taxi nutzen, auch wenn es besonders für sie eingerichtet wird. Denn Eltern schlafen gewöhnlich besser, wenn sie wissen dass ihre Töchter und Söhne sicher heim kommen. Nein, das AST-Taxi wird durch alle Altersklassen genutzt. Es profitieren also alle davon. Und die Kosten halten sich für die Gemeinde in Grenzen. Ein paar tausend Euro belasten einen Millionenhaushalt wirklich nicht spürbar. Übrigens wird das AST-Taxi auch auf der anderen Seite des Mains eingesetzt, wenn es zwischen Hanau und Seligenstadt fährt.

Nur eben nicht in Kahl. Weil der Gemeinderat unser Kahl von diesen Entwicklungen abhängt. Ja selbst von solch einfachen Lösungen dafür, wie man nachts sicher nach Hause kommt. Kahl ist selbst dabei hintendran.

Wir werden das ändern. Wir wollen, dass Kahl wieder Anschluss findet an die Region, in der es liegt, zwischen Alzenau, Aschaffenburg, Hanau und Seligenstadt. Eine Region in der man sehr gut leben kann, wenn sich die Verantwortlichen darum kümmern. Wir werden das tun. Wir werden Kahl nicht abgehängt sein lassen, sondern an diese Entwicklungen anschließen. Deshalb ist Aktiv für Kahl Gut für Kahl – und gut für alle, die auch gern mal ausgehen.

Thomas Jäger, Aktiv für Kahl