Einkaufen in Kahl

Ein Kommentar von Prof. Dr. Thomas Jäger

Thomas Jäger

Muss sich die Gemeinde darum kümmern, dass alle Kahler Bürger selbständig einkaufen gehen können? Auch gerade die Älteren und diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind? Man kann es mit der früheren britischen Premierministerin Thatcher halten und sagen: So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht, es gibt nur einzelne Menschen. Dann geht das die Gemeinde nichts an. Wir aber meinen, dass sie sehr wohl dafür sorgen sollte, dass alle – und nicht nur die Mobilen und Gesunden – eigenständig einkaufen können.

Die meisten von uns betrifft das nicht. Jetzt nicht. Das ist sicher richtig. Die meisten von uns sind mobil. Wir laufen zum Bäcker, nehmen das Rad zum Metzger und holen die Getränkekisten mit dem Auto. Und wer in der Querstraße, der Sandgasse, Portenstraße, Theresienstraße oder Torgasse wohnt, hat es dann noch besonders nah. Aber von Zum Kapellchen, der Bonhoefferstraße oder Grubenstraße sind es dann doch ein paar Meter. Nicht weit für alle, die mobil sind. Aber das sind in Kahl eben nicht mehr alle.

Geht es uns also etwas an, ob diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, die nicht mehr mit dem Rad oder Auto zum Einkaufen kommen, sich selbst versorgen können? Auch diejenigen, die keine Angehörigen haben, die das für sie miterledigen können oder einfach selbst mal wieder nach Obst und Gemüse schauen möchten? Wir meinen ja. Das geht uns etwas an und deshalb müssen wir um eine Lösung kümmern.

Wir könnten uns vorstellen, dass die Gemeinde ein Auto bereithält, das diejenigen in Kahl, die nicht mehr alleine mobil sind, zum Einkaufen bringt. Und dann mit den Einkäufen wieder nach Hause fährt. Das Auto muss die Gemeinde anschaffen. Gleichzeitig könnte man dazu aufrufen, dass ehrenamtliche Helfer mal eine Vor- oder Nachmittagstour übernehmen. Wir sind uns ziemlich sicher, dass sich da viele melden, um zu helfen. Und je mehr es sind, desto breiter verteilt sich die Aufgabe. Einmal im Monat so eine Fahrt zu übernehmen, sind sicher viele Kahler bereit.

Da gibt es freilich noch viel zu klären. Haftungs- und Versicherungsfragen und das Kleingedruckte im Detail. Aber wenn wir für diese Idee eine Mehrheit finden können, wird das alles zu bewältigen sein. Auch da gilt: Lassen Sie uns Ideen zusammentragen, wie wir die weniger mobilen Mitbürger dabei unterstützen können. Wenn wir das wollen, gelingt das auch.

Wir möchten, dass alle Anteil am Gemeindeleben haben, sich beim Einkaufen treffen und selbstbestimmt leben können, auch wenn sie nicht mehr so mobil sind. Deshalb ist Aktiv für Kahl Gut für Kahl – und gut für alle, denen wir den Alltag erleichtern helfen.  

Thomas Jäger, Aktiv für Kahl